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Zunächst
der Disclaimer: Dies ist kein Testbericht, sondern ein Erfahrungsbericht.
Tests unter standardisierten Bedingungen können Andere sehr viel besser
als ich, zum Beispiel "Herr Douglas" unter http://www.hmmontana.de/test2/index6.htm
. Aber ich kann vielleicht ein paar Erfahrungen weitergeben, wie die D2x
wirkt, wenn man nur mit JPG arbeitet (für Raw bin ich einfach zu
ungeduldig) und wenn man eher "sanft" und emotional
fotografiert, also wenig dokumentarisch und ohne Bedarf an Dauerfeuer, wie
es z.B. Sportfotografen brauchen.
Die Bedienung
Ich hatte zuvor eine Fuji S1 und eine D1x. Erstere fand ich von der
Bedienung her klasse, zweitere eher mäßig. Das war für mich einer der
Hauptgründe, weshalb ich so schnell wie möglich eine D2x haben wollte,
denn die Macken der D1x haben mich rasend gemacht. Kein guter Grund, 5
KEUR zu investieren, aber einer, der hohe Erwartungen weckt. Sie wurden
nicht erfüllt. Sondern übertroffen. Die D2x ist von der Bedienung her
wieder eine echte Nikon, so wie ich diese Firma von der F3 und er FE her
kenne. Sie wirkt nicht wie ein technisches Gerät, sondern wie eine
Verschmelzung mit dem eigenen Körper: Alles ist intuitiv zu erreichen,
jedes Ärgernis ist verschwunden, vieles Geniale ist hinzugekommen. Der
manuelle Weißabgleich ist mit einem Knopfdruck setzbar, der AF-On-Knopf
ist auch im Hochformat ohne Probleme drückbar, die neue Funktionstaste
ist ein Geschenk der Götter, die Auflösung ist ohne Menügewurstel
umschaltbar, die Sprachnotizen sind eine Errungenschaft, die Auslösepriorität
geht jetzt auch bei AF-S usw. usf. Eine einzige Verschlechterung habe ich
gefunden: Die AF-On-Taste hat nicht mehr die Noppen wie bei der D1x,
sodass man sie mit dem Daumen nicht erfühlen kann. Ansonsten ist die
Bedienung eine klare Note eins.
Der automatische Weißabgleich
Natürlich will man mit der Kamera auch Fotos machen. Es betrübt mich zu
sagen, dass dies schon im ersten Anlauf zu einer Enttäuschung führt: Der
automatische Weißabgleich liegt oft daneben. Genauer gesagt, er ist
schlecht bei homogener Beleuchtung, also z.B. blauem Himmel mit oder ohne
Sonne, Kunstlicht, Neonröhren usw. Oft kann man den Fehler durch
Feinkorrektur beheben, aber das widerspricht ein wenig der Idee einer
Automatik, zumal die Richtung nicht immer dieselbe ist. Bei Kunstlicht
wird es zu rot, bei Himmel zu blau. Für JPG-Fotografen ist das ziemlich
ärgerlich, umso mehr, als die Fuji S1 hier deutlich besseres geleistet
hat. Ich habe mir zur Sicherheit noch mal meine alten Bilder angesehen:
Obwohl ich damals nie irgend etwas korrigiert habe, sind die Farben
eindeutig besser.
Ich klassifiziere das im Jahr 2005 beim Flaggschiff der Firma Nikon mal
als peinlich, aber zum Glück gibt es auch eine gute Nachricht: Die
Automatik funktioniert bei Mischlicht erstaunlich gut. Je komplizierter
das Licht (also etwa Glühlampen, Neonröhren und wechselndes Tageslicht
gemischt) desto besser schneidet die Automatik ab. Das versöhnt mich
wieder etwas, denn bei eindeutigen Lichtquellen kann man ja recht leicht
manuell einstellen, bei Mischlicht wäre das schwieriger. Also besser so
als andersherum. Wo der Weißabgleich völlig versagt (manuell oder
automatisch), das ist bei einer bordellähnlichen Beleuchtung, wie sie
z.B. in plüschigen Hotel-Sitzungsräumen herrscht. Hier kann man mit
keiner Einstellung der Farbstich korrigieren. Ich habe mir beholfen, indem
ich am Ende etwas blau und etwas grün hineingemischt habe, aber ob die
entstehenden bunten Bildchen jedermanns Sache sind, wage ich zu
bezweifeln. - Das gibt dann die Note zwei minus für den Weißabgleich.
ISO-Rauschen
Das eigentliche Desaster kommt hier. Ein Bild bei 1600 ISO und Beleuchtung
durch Energiesparlampen führte zu so starkem Rauschen, dass ich erst
dachte, ich hätte vielleicht eine Vorab-Version mit alter Firmware
bekommen. Dann dachte ich, der Monitor sei so schlecht (ist er aber nicht,
im Gegenteil: er ist hervorragend). Dann dachte ich, dass es ohne Schärfung
vielleicht verschwindet. Dann, dass ich die Rauschunterdrückung nicht
verstanden habe. Dann dachte ich, ich müsse die Kamera zurückgeben und
zu Canon wechseln.
Trotzdem brachte ich es nicht übers Herz, bei einer Veranstaltung mit der
alten D1x zu fotografieren, und ging einfach das Risiko ein. Resultat:
verrauscht, wennauch nicht so stark wie die ersten Testbilder. Das war der
Punkt, an dem ich die bisher erschienen Testbericht mal etwas genauer
analysierte. Einige Zitate:
| Zitat: |
| Es ist wirklich erstaunlich, was die Kamera bei
immerhin 12,4 Megapixeln in Bezug auf das Rauschverhalten bei
hohen ISO-Werten leistet; die D2X überzeugt – mich jedenfalls
– auch bei 1600 ISO. |
(Max Douglas in http://www.hmmontana.de/test2/index6.htm
– ich lese hier jetzt etwas Anderes heraus als beim ersten Lesen, nämlich
zwei Einschränkungen.)
| Zitat: |
| Comparing the grain quality of the Nikon D70 and
the Nikon D2X (ISO value for ISO value), we found that the Nikon
D2X did not handle noise as well as its budget counterpart (which
is most probably due to the two-fold increase in the number of
pixels on the image sensor). It is good to note, however, that
Nikon has considered this issue and provided a High ISO Noise
Reduction feature that was effective in suppressing noise at the
higher ISO values. |
( http://www.hardwarezone.com/articles/view.phpid=1448&cid=15&pg=19
– sieh an: an keiner anderen Stelle im Test wurde aufs Rauschen
eingegangen, aber diese Stelle ist wohl deutlich genug.)
| Zitat: |
| For some strange reason, inscrutable in a true
Oriental fashion, photographers (or more likely, gearheads
masquerading as photographers) have become obsessed with "noise"
at astronomically high ISO speeds, even if these are outside the
approved camera settings. |
( http://www.naturfotograf.com/D2X_rev03.html#top_page
– soso: hier wird der 1600er Wert einfach als "nicht
freigegeben" klassifiziert, und dann als unnötig eingestuft).
Mit einem Wort: Die Kamera macht das, was alle befürchtet haben: sie
rauscht. Komischerweise bei bestimmten Lichtquellen stärker als bei
anderen. Bei Tageslicht z.B. verschwindet das Rauschen fast ganz, bei
Energiesparlampen ist es am stärksten. Des Rätsels Lösung findet man
bei einem Blick in die Farbkanäle: Während bei der D1x alle Kanäle etwa
das gleiche Rauschen haben, ist es hier fast nur im Blaukanal vorhanden,
aber dort richtig stark. Mir scheint, dass die Rauschunterdrückung so
programmiert ist, dass sie bei den meisten spektralen Zusammensetzungen
diesen Effekt herausrechnet, bei einigen aber eben nicht. Im Resultat
entstehen gelbliche Flecken, die zu Klumpeninseln zusammengeballt das Bild
regelrecht entstellen. Bei anderem rötlichem Licht ist das Rauschen zwar
auch deutlich sichtbar, aber nicht so störend. Manchmal wirkt es sogar
ganz angenehm, weil es wegen der hohen Auflösung sehr fein wird und dann
schon wieder als ein Effekt eingesetzt werden kann. Und manchmal macht es
auch gar nicht so viel, weil es bei höheren Kompressionsstufen oder bei
einer Verkleinerung des Bildes – eben wegen der Feinheit – einfach
wieder verschwindet.
Fazit: Das Rauschen ist viel stärker als die ersten Testberichte vermuten
ließen. Aber ich glaube hier eher an die Resultate auf echten Bildern als
an standardisierte Testbedingungen. Der arme Herr, der den ersten
Rauschvergleich zwischen der 20D und der D2x ins Netz gestellt hatte,
wurde zwar wegen seiner falschen Testmethoden angegriffen und hat
daraufhin den Artikel vom Netz genommen; die Schlussfolgerung hat er aber
aufrecht erhalten, und ich schließe mich ihm an. Ich bin sicher, dass bei
Sportfotografen, die ja oft bei sehr schlechtem Licht arbeiten müssen,
der große Katzenjammer ausbrechen wird.
Note fürs Rauschen: Leider nur eine drei plus. Das ist wohl der Preis für
den kleinen Sensor.
Bildqualität
Setzt man die Empfindlichkeit auf die "freigegebenen" Werte von
– sagen wir mal – 200, dann ist das Resultat über jeden Zweifel
erhaben. Die Farbverläufe sind sanft und fein, der Dynamikumfang ist
sagenhaft und die Auflösung gibt einem die Reserven, die man bei der
digitalen Fotografie immer vermisst hat. Die D1x kam mir immer vor wie ein
untermotorisiertes Auto, die D2x ist dagegen ein Sechszylinder. Das Beste
aber ist die Belichtungssteuerung. Während ich bisher die Matrixmessung
eher als Marketing-Gag eingestuft habe, funktioniert sie hier richtig. Ein
Blick aufs Histogramm zeigt fast immer, dass es genau in der Mitte liegt
und den gesamten Bereich sinnvoll ausnutzt. Die Kamera scheint manchmal
geradezu Gedanken lesen zu können und belichtet genau auf die
motivwichtigen Bildteile. Keine Ahnung, wie sie das macht, ich vermute, es
liegt an der Farbauswertung. Jedenfalls funktioniert es sagenhaft.
Ich bin mir inzwischen nicht mehr so sicher, ob der Kontrastumfang
wirklich größer ist als bei der D1x, oder ob es nur an der besseren
Belichtungssteuerung liegt. Aber es funktioniert, und das ist das
Wichtigste. Auch der Kurvendurchhang bei der Gradationskurve ist endlich
weg, und man kann sogar wieder ohne ausgebrannte Lichter fotografieren,
auch ohne sich mit Firewire-Anschlüssen und nichtlinearer Korrektur beschäftigen
zu müssen.
Die Note hier fällt leicht: eine eins.
Sonstiges
Ein Feature muss unbedingt erwähnt werden: das Auslösegeräusch. Es ist
so auffällig, dass ich mehrfach von völlig unbeteiligten Personen darauf
angesprochen wurde. Es ist nicht besonders laut, sondern einfach nur
besonders. Es mag irrational sein, aber mir ist so etwas ungeheuer
wichtig. Das fällt in die gleiche Kategorie wie die Festigkeit einer
Zigarre oder das Schließgeräusch der Tür bei einem Sportwagen. Es ist
die ideale Ergänzung zum haptischen Erlebnis der gesamten Kamera.
Seltsamerweise ist dies ein Bereich, bei dem kein anderer Kamerahersteller
(von Leica mal abgesehen) irgendetwas Vernünftiges zustande bringt.
Und dann ist mir ganz im Nebenbei noch etwas aufgefallen: Fast kein Bild
ist unscharf. Das hätte ich fast nicht bemerkt, weil es so selbstverständlich
wirkt. Ist es aber nicht. Mit der Fuji hatte ich immer das Gefühl den
Ereignissen hinterher zu hinken, bei der D1x war der Ausschuss geringer,
aber immer noch da. Bei der D2x gibt es diese Effekte nicht mehr. Man kann
ganz ruhig abdrücken, und das Bild ist scharf und richtig belichtet.
Einmal drücken reicht.
Ach ja, die Stromversorgung. Bei mir hält eine Akku-Ladung knapp 1000
Bilder. Das ist weniger als versprochen, aber erst mal genug. Ärgerlich
bleibt jedoch, dass wieder mal ein proprietärer Akku verwendet wird, der
auch noch ein eigenes Netzteil braucht. Und als ob das nicht genug wäre,
kann man den Spiegel nicht in die Wartungsposition bringen, solange das
Netzteil nicht angeschlossen ist. Dieses wiederum muss man extra kaufen,
und das Netzteil der D1x passt nicht. So viel zum Thema
Investitionssicherheit und Reisetauglichkeit. Eigentlich müsste man hierfür
in der Gesamtwertung noch eine Drittelnote abziehen, aber da bin ich mal
nicht so.
Mache ich jetzt bessere Bilder?
Seltsamerweise ja. Wenn ich die Bilder der letzten beiden Wochen ansehe,
dann sehen sie teilweise so aus, als wären sie von wem anders gemacht,
der viel besser fotografieren kann als ich. Bilder, die ich im Kopf hatte,
sind auf einmal auf dem Bildschirm. Vielleicht liegt das an den Reserven
in der Auflösung oder im Kontrastumfang, wahrscheinlich liegt es aber
daran, dass ich keine Energie mehr aufwenden muss, um die Kamera zu
bedienen. Ich entdecke immer öfter, dass ich das Gerät einfach vergesse
und nur noch das Bild sehe, nicht mehr den Weg dahin. Das ist mir nach
vielen Tausend Aufnahmen mit der D1x nicht gelungen. Wo ich früher fünfmal
abgedrückt habe, aus Angst, den richtigen Moment zu verpassen (und ihn
dann doch verpasst habe), mache ich es jetzt nur noch einmal und treffe.
Fazit
Die D2x bekommt von mir eine eins minus. Das Minus, weil Nikon dringend
den Weißabgleich überarbeiten sollte und weil sie bei hohen ISO-Werten
rauscht. Die Eins, weil die Kamera die erste digitale Kamera ist, die mich
wieder über Bilder nachdenken lässt und nicht über Technik.
Impressum
C h r i s t i a n R i e c k Verlag
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